Presse
Arbeit und Gesundheit 02/10
Interview: "Das Statussymbol der Gegenwart ist Zeit"
Hans-Peter Greif ist Kommunikationswissenschaftler und arbeitet als Trainer und Coach unter anderem zum Thema Gesundheitsförderung durch persönliches Stressmanagement.
Herr Greif, Sie trainieren seit gut drei Jahrzehnten Menschen im Umgang mit Stress. Hat sich Stress in diesem Zeitraum verändert? Er ist eindeutig mehr geworden. Die Arbeit und andere Lebensumstände haben sich verdichtet. Das ist objektiv festzustellen, auch wenn die Einschätzung, was Stress ist, immer subjektiv bleibt. Das heißt,was den einen völlig aus der Fassung bringt, ist für den anderen eine willkommene Herausforderung. Aber tatsächlich kommen heute mehr Menschen an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Damit steigt der Bedarf an Seminar angeboten. Wann kommen die Menschen zu Ihnen? Meist sehr spät. Der Leidensdruck wird oft erst durch eine „gelbe Karte“ wie einen Hörsturz oder Infarkt offen gelegt. Gerade bei Männern gehört Stress noch zu den Statussymbolen. Glücklicherweise vollzieht sich hier ein Wandel. Das Statussymbol der Gegenwart ist Zeit. Sind Frauen anders gestresst als Männer? Ja, während bei den Männern der Macher im Vordergrund steht, müssen Frauen häufiger aus einer Opferrolle befreit werden, um sich gegen Überforderung zu wehren. Glücklicherweise gibt es in jedem Menschen – Frauen wie Männern – einen gesunden Teil. Den gilt es zu stärken. Denn ein gesunder Mensch lebt leichter, auch wenn es mal schwerer wird. Wo kann ich Entspannungstechniken lernen? Gute Angebote beispielsweise für autogenes Training oder Taiji Quan gibt es überall von Volkshochschulen und Sportvereinen. Bei privaten Anbietern sollte in jedem Fall nach einem Qualitäts-Management-System gefragt werden. Seminare zum Thema Stressmanagement gibt es auch von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung und den Krankenkassen. Sie lehren in Ihren Seminaren einen Weg aus der Stressfalle. Was sind die wichtigsten Schritte? Als Erstes das Totschlagargument „Ich kann eh nichts ändern“ beiseite schieben. Als Zweites den eigenen Handlungsspielraum erkennen und nutzen. Dazu gehört auch, die Perspektive zu ändern, also die Situationen des täglichen Lebens aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das kann man lernen. Als Drittes empfehle ich, einige Techniken zu lernen, die das Loslassen und Entspannen ermöglichen. Auch das kann jeder lernen. Und als vierter Punkt: Prioritäten für das eigene Leben setzen und verfolgen. Haben Sie durch Ihre Anleitung zu mehr Gesundheit schon einmal jemandem das Leben gerettet? Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Aber ich weiß von vielen Menschen, die ihren Lebensstil nachhaltig verändert und damit sicherlich viel für ihre Gesundheit getan haben – und damit vielleicht auch einige Lebensjahre gewonnen haben. Was ich ganz sicher weiß, ist, dass ich schon einige Ehen gerettet habe. Zum Thema Stressprävention durch Kurzentspannung liegt eine Audio-CD von Hans-Peter Greif vor. Unter folgendem Link können Sie reinhören: www.kurzentspannungsboerse.de. Das Interview als .PDF finden Sie hier>>







